Wenn sowohl die Wände als auch die Decke einen neuen Anstrich bekommen sollen, stellt sich schnell die Frage: Was streicht man zuerst – die Wand oder die Decke?
Die Antwort ist in den meisten Fällen eindeutig: Streichen Sie zuerst die Decke und anschließend die Wände.
Das hat einen einfachen praktischen Grund. Beim Streichen der Decke können Farbspritzer auf die Wände gelangen. Werden die Wände erst danach gestrichen, lassen sich diese problemlos überarbeiten. Andersherum müssten Sie Ihre frisch gestrichenen Wände besonders sorgfältig vor der Deckenfarbe schützen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, in welcher Reihenfolge Sie Decke und Wände streichen sollten, wie Sie dabei vorgehen und mit welchen Tipps auch Heimwerker ein sauberes Ergebnis erzielen.
Erst Decke oder erst Wand streichen?
Die klassische Reihenfolge lautet:
- 1. Raum vorbereiten und abdecken
- 2. Decke streichen
- 3. Wände streichen
- 4. Klebeband entfernen
- 5. Farbe trocknen lassen und Ergebnis beurteilen
Wenn also der gesamte Raum gestrichen werden soll, gilt als einfache Grundregel:
Von oben nach unten arbeiten – zuerst die Decke, danach die Wände.
Warum sollte die Decke zuerst gestrichen werden?
Beim Streichen einer Decke arbeitet die Farbrolle direkt über Ihrem Kopf. Dabei lassen sich kleine Farbspritzer kaum vollständig vermeiden.
Diese können auf:
- Wände
- Fenster
- Türen
- Möbel
- Boden
gelangen.
Sind die Wände noch nicht fertig gestrichen, ist das zunächst kein großes Problem. Kleine Spritzer auf den Wandflächen verschwinden anschließend unter dem neuen Wandanstrich.
Haben Sie dagegen bereits die Wände fertiggestellt, müssten Sie diese beim Deckenstreichen zusätzlich schützen.
Decke zuerst bedeutet deshalb vor allem: weniger Abklebearbeit und weniger Risiko für Nachbesserungen.
Raum vollständig vorbereiten
Bevor Farbe an Decke oder Wand kommt, sollte der Raum vorbereitet werden.
Räumen Sie möglichst viele Möbel aus dem Zimmer. Große Möbelstücke, die im Raum verbleiben, stellen Sie möglichst in der Raummitte zusammen und schützen sie mit Abdeckfolie.
Der Boden sollte vollständig abgedeckt werden.
Da Sie sich beim Deckenstreichen viel im Raum bewegen und möglicherweise eine Leiter verwenden, ist ein geeignetes Abdeckvlies für den Boden besonders praktisch.
Fenster, Türen, Sockelleisten und andere Bereiche können zusätzlich mit geeignetem Malerklebeband beziehungsweise Masker geschützt werden.
Wände und Decke kontrollieren
Bevor Sie mit dem Anstrich beginnen, sollten Sie sowohl die Decke als auch die Wände überprüfen.
Achten Sie beispielsweise auf:
- Löcher
- Risse
- lose Farbschichten
- Verschmutzungen
- stark saugende Stellen
- Unebenheiten
Der Untergrund sollte sauber, trocken und tragfähig sein.
Notwendige Spachtel- und Vorarbeiten sollten erledigt werden, bevor Sie mit dem eigentlichen Streichen beginnen.
Je nach Untergrund kann außerdem eine geeignete Grundierung erforderlich sein. Beachten Sie hierzu die Angaben des Farb- und Grundierungsherstellers.
Decke zuerst streichen
Nun beginnen Sie mit der Decke.
Für größere Deckenflächen benötigen Sie eine geeignete Farbwalze mit Farbrollerbügel. Besonders komfortabel kann die Arbeit mit einer passenden Teleskopstange sein.
Damit können Sie größere Bereiche vom Boden aus bearbeiten und längere, gleichmäßige Bewegungen ausführen.
Ecken und Randbereiche werden zunächst mit Pinsel oder kleiner Farbrolle bearbeitet.
Anschließend folgt die große Fläche.
Wichtig: Nass in nass arbeiten
Streichen Sie nicht zunächst sämtliche Randbereiche des kompletten Raumes und beginnen erst viel später mit der Fläche.
Die vorgestrichene Farbe könnte bereits antrocknen.
Bearbeiten Sie stattdessen überschaubare Bereiche und verbinden Sie diese möglichst nass in nass miteinander.
So reduzieren Sie das Risiko sichtbarer Ansätze.
In welche Richtung sollte man die Decke streichen?
Bei Decken kann der Lichteinfall eine besondere Rolle spielen, weil unterschiedliche Rollstrukturen bei seitlichem Licht stärker sichtbar werden können.
Für ein möglichst einheitliches Oberflächenbild ist vor allem ein gleichmäßiger, zusammenhängender Farbauftrag entscheidend. Die abschließenden Rollbewegungen sollten möglichst einheitlich ausgeführt werden.
Bei starkem seitlichem Lichteinfall kann es sinnvoll sein, sich bei der abschließenden Rollrichtung am Hauptlichteinfall des Raumes zu orientieren.
Wichtiger als eine starre Richtungsregel bleibt jedoch:
- gleichmäßig arbeiten
- ausreichend Farbe verwenden
- nass in nass streichen
- antrocknende Bereiche nicht ständig nachrollen
Muss die Decke zweimal gestrichen werden?
Das hängt von Farbe und Untergrund ab.
Ein zweiter Anstrich kann beispielsweise erforderlich sein, wenn:
- die vorhandene Decke stark verfärbt ist
- ein deutlicher Farbwechsel stattfindet
- der erste Anstrich nicht ausreichend deckt
- der Untergrund unterschiedlich saugt
Beurteilen Sie das Ergebnis nicht unmittelbar nach dem Streichen.
Nasse Farbe kann vorübergehend fleckig oder ungleichmäßig wirken.
Lassen Sie den ersten Anstrich entsprechend den Herstellerangaben trocknen und entscheiden Sie anschließend, ob ein zweiter Anstrich erforderlich ist.
Wenn ein zweiter Deckenanstrich notwendig ist, sollte dieser ebenfalls abgeschlossen sein, bevor Sie mit den Wänden beginnen.
Übergang zwischen Decke und Wand vorbereiten
Ist die Decke fertig gestrichen und ausreichend getrocknet, können Sie mit den Wänden beginnen.
Soll die Wand eine andere Farbe als die Decke erhalten, muss der Übergang besonders sauber ausgeführt werden.
Hier kann ein hochwertiges Malerklebeband beziehungsweise Präzisionsklebeband helfen.
Wichtig ist, dass die Deckenfarbe ausreichend getrocknet und belastbar ist, bevor Sie darauf Klebeband anbringen.
Verwenden Sie auf frisch gestrichenen beziehungsweise empfindlichen Oberflächen ausschließlich ein dafür geeignetes Klebeband und beachten Sie dessen Herstellerangaben.
Wie bekomme ich eine saubere Kante zwischen Wand und Decke?
Gerade bei einer weißen Decke und einer farbigen Wand soll der Übergang möglichst gerade und scharf aussehen.
Dafür ist sorgfältiges Abkleben entscheidend.
1. Linie festlegen
Bestimmen Sie zunächst den gewünschten Verlauf der Farbkante.
2. Geeignetes Klebeband anbringen
Bringen Sie das Band möglichst gerade auf und drücken Sie die Klebekante sorgfältig an.
3. Bei Bedarf Klebekante versiegeln
Für besonders präzise Übergänge kann die Klebekante zunächst dünn mit der vorhandenen Decken- beziehungsweise Grundfarbe versiegelt werden.
Sollte etwas Farbe unter das Band gelangen, besitzt sie dieselbe Farbe wie der vorhandene Untergrund.
Nach ausreichendem Antrocknen wird die eigentliche Wandfarbe aufgetragen.
4. Wand streichen
Anschließend kann die Wandfarbe bis an die vorbereitete Kante gestrichen werden.
Ecken und Kanten der Wand vorstreichen
Bevor die große Farbwalze zum Einsatz kommt, werden die schwer erreichbaren Bereiche mit einem Pinsel oder einer kleinen Farbrolle vorgestrichen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Innenecken
- Übergang zur Decke
- Bereiche neben Fenstern
- Türzargen
- Bereiche über Sockelleisten
Auch hier sollten Sie nicht sämtliche Kanten des Zimmers lange im Voraus bearbeiten.
Streichen Sie Randbereich und angrenzende Wandfläche möglichst nass in nass.
Wände streichen
Nun folgt die eigentliche Wandfläche.
Verwenden Sie eine Farbrolle, die zum Untergrund und zur verwendeten Wandfarbe passt.
Als grobe Orientierung:
Glatte Wand → eher kürzerer Flor
Leicht strukturierte Wand → mittlerer Flor
Raufaser oder rauerer Putz → längerer Flor
Beladen Sie die Farbrolle ausreichend mit Farbe und verteilen Sie diese gleichmäßig.
Bearbeiten Sie eine zusammenhängende Wand möglichst ohne längere Unterbrechungen.
Klebeband zum richtigen Zeitpunkt entfernen
Nach dem letzten Anstrich stellt sich noch eine wichtige Frage: Wann soll das Klebeband wieder herunter?
Es sollte nicht automatisch mehrere Tage auf der Oberfläche verbleiben.
In vielen Fällen empfiehlt es sich, das Klebeband kontrolliert abzuziehen, bevor die aufgetragene Farbe vollständig durchgehärtet ist.
Dadurch kann das Risiko reduziert werden, dass die Farbschicht beim Entfernen des Bandes unkontrolliert einreißt.
Ziehen Sie das Band langsam und kontrolliert ab. Beachten Sie zusätzlich die Angaben des Klebeband- und Farbherstellers.
Was ist, wenn nur die Wände gestrichen werden sollen?
Bleibt die vorhandene Decke unverändert, müssen Sie diese natürlich nicht zuerst streichen.
In diesem Fall besteht die Herausforderung darin, den Übergang zwischen Wand und Decke sauber auszuführen.
Bei einer farbigen Wand und weißer Decke kann ein geeignetes Präzisionsklebeband helfen, eine möglichst saubere Linie herzustellen.
Achten Sie darauf, dass das Klebeband für den vorhandenen Deckenanstrich geeignet ist. Besonders bei älteren, schlecht haftenden oder empfindlichen Beschichtungen sollte zunächst an einer unauffälligen Stelle getestet werden.
Was ist, wenn Wand und Decke dieselbe Farbe bekommen?
Dann wird die Arbeit einfacher.
Sie können mit der Decke beginnen und anschließend direkt zu den Wänden übergehen. Eine präzise Abklebekante zwischen beiden Flächen ist in diesem Fall normalerweise nicht erforderlich.
Auch hier bleibt die Reihenfolge Decke vor Wand sinnvoll, weil mögliche Spritzer beim anschließenden Wandstreichen überarbeitet werden.
Welche Werkzeuge brauche ich für Wand und Decke?
Für ein typisches Zimmer ist folgende Grundausstattung sinnvoll:
- große Farbwalze
- passende Farbrollerbügel
- kleine Farbrolle
- Pinsel für Ecken und Kanten
- Farbgitter oder Farbwanne
- gegebenenfalls Teleskopstange
- Malerklebeband
- Abdeckvlies
- Abdeckfolie beziehungsweise Masker
- Arbeitshandschuhe
Wer noch keine Grundausstattung besitzt, kann mit einem passend zusammengestellten Malerset mehrere der benötigten Werkzeuge direkt abdecken.
Wand oder Decke zuerst? Die richtige Reihenfolge auf einen Blick
Übersicht: Arbeitsschritt / Reihenfolge
- Arbeitsschritt: Raum ausräumen · Reihenfolge: 1
- Arbeitsschritt: Boden und Möbel abdecken · Reihenfolge: 2
- Arbeitsschritt: Untergrund vorbereiten · Reihenfolge: 3
- Arbeitsschritt: Decke streichen · Reihenfolge: 4
- Arbeitsschritt: ggf. zweiten Deckenanstrich ausführen · Reihenfolge: 5
- Arbeitsschritt: Übergänge vorbereiten/abkleben · Reihenfolge: 6
- Arbeitsschritt: Ecken und Kanten der Wand streichen · Reihenfolge: 7
- Arbeitsschritt: Wandflächen streichen · Reihenfolge: 8
- Arbeitsschritt: ggf. zweiten Wandanstrich ausführen · Reihenfolge: 9
- Arbeitsschritt: Klebeband kontrolliert entfernen · Reihenfolge: 10
Häufige Fehler beim Streichen von Wand und Decke
Erst die Wände und danach die Decke streichen
Das ist grundsätzlich möglich, verursacht aber häufig zusätzlichen Schutz- und Nachbesserungsaufwand. Wenn beide Flächen gestrichen werden, ist Decke vor Wand meist praktischer.
Decke nur teilweise fertigstellen
Wenn ein zweiter Anstrich erforderlich ist, sollte die Decke komplett fertig sein, bevor Sie zu den Wänden wechseln.
Randbereiche zu früh vorstreichen
Sind die Kanten bereits angetrocknet, bevor die Fläche gestrichen wird, können sichtbare Ansätze entstehen.
Frische Deckenfarbe sofort abkleben
Eine frisch gestrichene Oberfläche kann noch empfindlich sein. Lassen Sie die Beschichtung ausreichend trocknen und verwenden Sie ein für den Untergrund geeignetes Klebeband.
Zu wenig abdecken
Beim Deckenstreichen können Farbspritzer im gesamten Raum entstehen. Schützen Sie deshalb insbesondere den Boden sorgfältig.
Fazit: Erst die Decke, dann die Wände streichen
Wenn Sie Wand und Decke in einem Raum streichen, lautet die sinnvollste Reihenfolge in den meisten Fällen:
Zuerst die Decke – anschließend die Wände.
So können Farbspritzer vom Deckenanstrich später einfach mit der Wandfarbe überstrichen werden und Sie vermeiden unnötige Schutz- und Nachbesserungsarbeiten.
Bereiten Sie den Raum sorgfältig vor, arbeiten Sie auf zusammenhängenden Flächen möglichst nass in nass und verwenden Sie Farbrollen, Klebebänder und Abdeckmaterial passend zum jeweiligen Untergrund.
So wird aus der richtigen Reihenfolge ein sauberer und effizienter Arbeitsablauf.



