Ein Zimmer selbst zu streichen klingt unkompliziert: Farbe kaufen, Rolle eintauchen und loslegen. Doch gerade kleine Fehler bei der Vorbereitung oder beim Farbauftrag können dazu führen, dass Streifen, Flecken, unsaubere Kanten oder Farbspritzer das Ergebnis beeinträchtigen.
Viele dieser Probleme lassen sich leicht vermeiden – wenn Sie wissen, worauf es ankommt.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen 10 typische Fehler beim Streichen und erklären, wie Sie Wände und Decken auch als Heimwerker sauber und gleichmäßig streichen.
Fehler 1: Die Wand wird nicht richtig vorbereitet
Einer der häufigsten Fehler passiert, bevor überhaupt Farbe an die Wand kommt.
Staub, lose Altanstriche, Verschmutzungen, Löcher oder stark unterschiedliche Saugfähigkeit können das spätere Ergebnis beeinflussen. Einfach darüberzustreichen löst diese Probleme nicht.
So machen Sie es besser
Prüfen Sie den Untergrund vor dem Streichen. Er sollte sauber, trocken und tragfähig sein.
Löcher und Risse werden mit einer geeigneten Spachtelmasse ausgebessert. Lose Bestandteile müssen entfernt werden. Bei stark oder ungleichmäßig saugenden beziehungsweise problematischen Untergründen kann eine geeignete Grundierung erforderlich sein.
Beachten Sie dabei die Verarbeitungshinweise des Farb- und Grundierungsherstellers.
Merke: Ein guter Anstrich beginnt mit einem guten Untergrund.
Fehler 2: Beim Abdecken wird gespart
„Ich passe einfach auf“ klingt zunächst nach einer guten Möglichkeit, Zeit zu sparen.
Spätestens nach den ersten Metern mit der Farbrolle zeigt sich jedoch häufig, wie weit feine Farbspritzer tatsächlich gelangen können.
Besonders beim Streichen von Decken sollte der Raum sorgfältig geschützt werden.
So machen Sie es besser
Verwenden Sie das Abdeckmaterial passend zur jeweiligen Fläche:
- Boden → Abdeckvlies
- Möbel → Abdeckfolie
- Fenster und Türen → Folie oder Masker
- Kanten und Anschlüsse → geeignetes Malerklebeband
Investieren Sie lieber etwas mehr Zeit in die Vorbereitung. Das ist meist schneller, als später eingetrocknete Farbspritzer zu entfernen.
Fehler 3: Das falsche Klebeband wird verwendet
Klebeband ist Klebeband? Gerade beim Streichen stimmt das nicht.
Unterschiedliche Untergründe stellen unterschiedliche Anforderungen an die Haftung. Ein Band, das hervorragend auf einer robusten glatten Fläche funktioniert, kann auf einem empfindlichen Untergrund ungeeignet sein.
Auch die gewünschte Farbkante spielt eine Rolle.
So machen Sie es besser
Wählen Sie das Malerklebeband nach Untergrund und Anwendung aus.
Für besonders präzise Farbkanten können beispielsweise dünne Washi-Tapes interessant sein. Hochwertige Goldbänder eignen sich – abhängig von ihrer Ausführung – für zahlreiche klassische Malerarbeiten.
Auf rauem Putz wiederum muss das Klebeband ausreichend an der vorhandenen Struktur haften können.
Fehler 4: Das Klebeband wird nicht richtig angedrückt
Selbst ein hochwertiges Malerklebeband kann keine saubere Kante erzeugen, wenn es nur locker auf der Wand liegt.
Kleine Zwischenräume reichen aus, damit flüssige Farbe unter das Band gelangt. Das Ergebnis sind ausgefranste und ungleichmäßige Farbkanten.
So machen Sie es besser
Der Untergrund sollte sauber, trocken und möglichst staubfrei sein.
Bringen Sie das Klebeband ohne Falten an und drücken Sie insbesondere die Kante zur später gestrichenen Fläche sorgfältig fest.
Auf strukturierten Oberflächen kann zusätzlich das Versiegeln der Klebekante mit der vorhandenen Grundfarbe helfen.
Fehler 5: Die falsche Farbrolle wird verwendet
Eine hochwertige Wandfarbe allein garantiert noch kein gutes Ergebnis.
Auch die Farbrolle muss zu Farbe und Untergrund passen.
Eine sehr kurzflorige Rolle kann auf grobem Putz Schwierigkeiten haben, Farbe bis in die Vertiefungen zu transportieren. Ein sehr langer Flor kann dagegen auf einer glatten Wand eine stärkere Oberflächenstruktur erzeugen als gewünscht.
So machen Sie es besser
Als grobe Orientierung gilt:
Glatte Wand → eher kürzerer Flor
Leicht strukturierte Wand → mittlerer Flor
Raufaser und rauere Oberflächen → längerer Flor
Berücksichtigen Sie zusätzlich die Eignung der jeweiligen Walze für die verwendete Farbe.
Fehler 6: Mit zu wenig Farbe auf der Rolle gestrichen wird
Viele Anfänger versuchen, möglichst wenig Farbe auf die Walze zu nehmen, damit nichts tropft.
Das kann jedoch dazu führen, dass die Rolle bereits nach kurzer Strecke nahezu trocken über die Wand läuft.
Die Folge können ungleichmäßige Farbverteilung, sichtbare Rollspuren und unnötig viel Nacharbeiten sein.
So machen Sie es besser
Arbeiten Sie die Farbe gleichmäßig in den Walzenbezug ein und verwenden Sie ein Farbgitter beziehungsweise eine Farbwanne.
Die Rolle sollte ausreichend mit Farbe beladen sein, ohne stark zu tropfen.
Verteilen Sie die Farbe anschließend gleichmäßig auf der Wand.
Nicht mit einer nahezu trockenen Walze versuchen, möglichst viel Fläche zu schaffen.
Fehler 7: Zu lange auf bereits antrocknender Farbe nachgerollt wird
Sie entdecken eine vermeintlich hellere Stelle und rollen noch einmal darüber. Kurz darauf sehen Sie die nächste – also noch einmal zurück.
Genau dieses ständige Nacharbeiten kann problematisch werden.
Beginnt die Wandfarbe bereits anzutrocknen, kann erneutes Rollen die entstehende Oberfläche verändern und sichtbare Ansätze verursachen.
So machen Sie es besser
Bearbeiten Sie zusammenhängende Wandbereiche möglichst zügig und nass in nass.
Streichen Sie Ecken und Randbereiche nicht so weit im Voraus, dass sie bereits trocknen, bevor Sie mit der großen Farbwalze dort ankommen.
Und beurteilen Sie die endgültige Deckkraft nicht, solange die Wand noch nass ist.
Fehler 8: Die Wand wird nicht zusammenhängend gestrichen
Eine halbe Wand streichen, eine längere Pause machen und anschließend die zweite Hälfte bearbeiten – das kann sichtbare Übergänge verursachen.
Besonders bei großen zusammenhängenden Flächen ist ein kontinuierlicher Arbeitsablauf wichtig.
So machen Sie es besser
Planen Sie ausreichend Zeit ein, um eine zusammenhängende Wandfläche möglichst ohne längere Unterbrechung fertigzustellen.
Arbeiten Sie abschnittsweise und lassen Sie die Übergänge zwischen den Abschnitten nicht antrocknen.
Wenn Sie eine Pause benötigen, legen Sie diese möglichst zwischen zwei abgeschlossenen Flächen ein.
Fehler 9: Das Klebeband wird zu spät entfernt
Die Wand ist fertig und das Klebeband bleibt vorsichtshalber bis zum nächsten Tag kleben.
Das ist nicht immer die beste Lösung.
Ist die Farbe vollständig durchgetrocknet, kann sich eine zusammenhängende Farbschicht über Wand und Klebeband gebildet haben. Beim Abziehen kann die Farbkante dann einreißen oder stellenweise mit abgezogen werden.
So machen Sie es besser
In vielen Fällen empfiehlt es sich, Malerklebeband kontrolliert zu entfernen, bevor die Farbe vollständig durchgehärtet ist.
Ziehen Sie das Band langsam und kontrolliert ab und beachten Sie die Verarbeitungshinweise von Farbe und Klebeband.
Eine pauschale Zeitangabe ist nicht sinnvoll, da Trocknungszeit und Anwendung unterschiedlich sein können.
Fehler 10: Die nasse Wand wird zu früh beurteilt und nachgebessert
Direkt nach dem Streichen wirkt die Wand plötzlich fleckig. Einige Bereiche erscheinen heller, andere dunkler.
Der erste Gedanke: Noch einmal mit der Farbrolle darüber.
Doch nasse Wandfarbe kann während des Trocknens sehr ungleichmäßig aussehen, obwohl das spätere Ergebnis vollkommen in Ordnung ist.
So machen Sie es besser
Lassen Sie den Anstrich entsprechend den Herstellerangaben trocknen und beurteilen Sie die Fläche anschließend erneut.
Erst dann entscheiden Sie, ob tatsächlich ein zweiter Anstrich oder eine Korrektur erforderlich ist.
Unnötiges Nacharbeiten an bereits antrocknender Farbe kann das Ergebnis sogar verschlechtern.
Bonus-Tipp: Die richtige Reihenfolge spart Arbeit
Auch die Reihenfolge kann darüber entscheiden, wie entspannt das Streichen abläuft.
Wenn Sie ein komplettes Zimmer renovieren, bietet sich häufig folgende Reihenfolge an:
- 1. Möbel entfernen und Raum vorbereiten
- 2. Boden und Einrichtung abdecken
- 3. Untergrund kontrollieren und ausbessern
- 4. Kanten, Rahmen und Sockelleisten abkleben
- 5. Falls erforderlich zuerst die Decke streichen
- 6. Ecken und Kanten vorstreichen
- 7. Wandflächen mit der Farbrolle bearbeiten
- 8. Gegebenenfalls zweiten Anstrich durchführen
- 9. Klebeband zum geeigneten Zeitpunkt entfernen
- 10. Nach ausreichender Trocknung das Ergebnis beurteilen
Welches Werkzeug brauche ich zum Streichen?
Viele typische Fehler lassen sich bereits mit einer sinnvoll zusammengestellten Grundausstattung vermeiden.
Für ein klassisches Zimmer benötigen Sie unter anderem:
- eine zur Wand passende Farbwalze
- Farbrollerbügel
- kleine Farbrolle
- Pinsel
- Farbgitter oder Farbwanne
- geeignetes Malerklebeband
- Abdeckvlies
- Abdeckfolie beziehungsweise Masker
- Arbeitshandschuhe
Wenn Sie noch keine Malerwerkzeuge besitzen, kann ein komplettes Malerset praktisch sein. So müssen Farbrollen, Bügel und weitere Grundausstattung nicht einzeln zusammengesucht werden.
Die 10 häufigsten Fehler beim Streichen auf einen Blick
Übersicht: Fehler / Besser so
- Fehler: Wand nicht vorbereiten · Besser so: Untergrund prüfen und vorbereiten
- Fehler: Zu wenig abdecken · Besser so: Gefährdete Flächen vollständig schützen
- Fehler: Falsches Klebeband · Besser so: Nach Untergrund und Anwendung auswählen
- Fehler: Klebeband schlecht andrücken · Besser so: Klebekante sorgfältig festdrücken
- Fehler: Falsche Farbrolle · Besser so: Florhöhe an Untergrund anpassen
- Fehler: Zu wenig Farbe aufnehmen · Besser so: Walze gleichmäßig mit Farbe beladen
- Fehler: Antrocknende Farbe nachrollen · Besser so: Möglichst nass in nass arbeiten
- Fehler: Lange Pausen mitten in der Wand · Besser so: Zusammenhängende Flächen fertigstellen
- Fehler: Klebeband zu spät entfernen · Besser so: Zum geeigneten Zeitpunkt kontrolliert abziehen
- Fehler: Nasse Wand sofort korrigieren · Besser so: Erst nach ausreichender Trocknung beurteilen
Fazit: Gute Vorbereitung verhindert viele Fehler beim Streichen
Die meisten Fehler beim Streichen entstehen nicht, weil Heimwerker grundsätzlich falsch mit einer Farbrolle umgehen. Häufig liegen die Ursachen bereits bei der Vorbereitung, der Auswahl des Werkzeugs oder der Arbeitsweise.
Ein sauber vorbereiteter Untergrund, die passende Farbrolle, gutes Malerklebeband und ausreichend Abdeckmaterial schaffen die Grundlage für ein gutes Ergebnis.
Beim Streichen selbst gilt vor allem: Arbeiten Sie zusammenhängende Flächen zügig, vermeiden Sie unnötiges Nachrollen auf antrocknender Farbe und beurteilen Sie das Ergebnis erst nach ausreichender Trocknung.
Mit dem richtigen Werkzeug und einer systematischen Vorgehensweise lassen sich viele der klassischen Anfängerfehler vermeiden.



